3. Stammtisch in Buchholz mit Ausfahrt auf romantischen Wegen zu Herrenhäusern und Schlössern in Nordwest–Mecklenburg

Alle scharrten bereits mit den Hufen, jeder wartete schon begierlich auf ein neues Treffen. Möglichst gleich mit Ausfahrt. Doch Heike und Frank haben sich ein herrliches Programm mit diversen Höhepunkten ausgedacht und auch in die Tat umgesetzt.
Es reisten fünf Fahrzeuge mit insgesamt zehn Personen an. Diesmal zeigte die Kennzeichen-Palette zweimal HEI (Heide), IZ (Itzehoe), RZ (Ratzeburg) und PLÖ (Plön) an. Hierbei fällt dem kundigen Leser sicherlich gleich auf, dass das PI - Kennzeichen fehlt. Richtig, denn wir, also Gabriele und ich, waren diesmal nicht mit von der Partie. Dafür hat Claus aber nun endlich seinen schönen 190er hervorgeholt.

Am 24.08.2013 startete unser dritter Stammtisch mit zweiter Ausfahrt in diesem Jahr auf Lödings Bauernhof in Buchholz am Ratzeburger See. Die Organisatoren dieser Tour, Frank und Heike, hatten ja nur den Treffpunkt und sonst nichts weiter verraten. Vielleicht waren deshalb alle Teilnehmer schon überpünktlich vor 11:00 Uhr angereist. Nur Michael war, trotz besagter Überpünktlichkeit, der Letzte. Und da der Wander-Pokal für den Letzten noch bei Torsten in der Vitrine steht, überreichte Frank stellvertretend dafür dem Michael diesmal ein Schlüsselband vom Mercedes–Benz–Museum, nebst "Glückwunschkarte".
Auf Lödings Bauernhof gab es erst einmal ein leckeres Frühstück, incl. einem traumhaften Blick auf den Ratzeburger See. Uns erwarteten frisch gebackene Brötchen, die mit Wurst, Schinken und verschiedenen Käsesorten mehr als reichlich belegt waren und dazu ein richtig guter Kaffee. Wir erfuhren, dass die Brötchen, die Wurstsorten und der Schinken direkt hier auf dem Bauernhof hergestellt werden und dass der Käse ausschliesslich von regionalen Anbietern bezogen wird. Eigentlich gehört ein Frühstück nicht mehr zum Angebot des Bauernhofes, weshalb wir uns ganz herzlich bei Herrn Löding und seinem Team bedankten, dass extra für uns eine Ausnahme gemacht wurde.

Gut gestärkt konnten wir jetzt unsere Tour bei herrlichem Sonnenschein starten. Auf der B207 ging es bis Mölln Nord und von dort weiter nach Schmilau. Wir fuhren auf traumhaft schönen, von uralten Bäumen umsäumten und engen Landstrassen über Salem und Mustin. Querten die ehemalige Deutsch-Deutsche Grenze, am Röggeliner See vorbei nach Demern. Hier machten wir unseren ersten Halt vor dem Alten Gutshof. Heute ist dieses Herrenhaus ein Gasthof mit Hotel, Wintergarten und Gartenterrasse. Auch wenn es in Demern im 14. Jahrhundert eine Ritterburg gab, hat in diesem Gutshaus kein Adliger gewohnt.

Von Demern führen wir auf schmalen Landwegen weiter über Breesen und Roggendorf nach Ganzow . Hier machten Frank und Heike Halt vor einem grossen Fachwerkhaus. Das sollte auch ein Gutshaus sein? - Ja, sogar ein ganz besonderes! - Das Gutshaus Ganzow ist die einzige spätbarocke Dreiflügelanlage in Fachwerkbauweise dieser Grössenordnung im ländlichen Raum Mecklenburg–Vorpommerns. Während uns Heike von der Geschichte des Gutshauses erzählte, kam eine Frau mit einer Schubkarre vorbei, die uns doch etwas argwöhnisch beäugte und dann fragte, was wir hier wollten. Heike erklärte ihr, dass wir von diesem besonderen Gutshaus wussten und es uns gern bei unserer Ausfahrt angesehen hätten. Jedoch war es leider nicht möglich, den Eigentümer um Erlaubnis zu bitten. Die Frau verriet uns, dass der Besitzer heute zuhause sei und dass er uns bestimmt das Anwesen zeigen würde. - Wir sollten doch gleich mal mitkommen! - Völlig überrascht folgten wir ihr in den parkartig angelegten Gutshofgarten hinter dem Gebäude.
Hier offenbarte uns das Gutshaus seine wahre Schönheit, seinen dreiflügeligen Bau. Der Besitzer empfing uns, wenn auch mitten in den Sanierungsarbeiten, sehr freundlich und erzählte uns, in welchen ruinösen Zustand sich das Haus und der Park befanden, als er es vor sechs Jahren erwarb. Wir erfuhren, dass er die Sanierungsarbeiten alle selber durchführt. Unteranderem seien bereits 120 Meter Schwellen verlegt und verarbeitet worden und das Obergeschoss ist schon soweit saniert, dass er und seine Helfer hier bereits wohnen. Wir fragten Ihn in Anbetracht der vielen notwendigen Handwerksarbeiten, was er denn von Beruf wäre. Er liess uns raten. - Nein, nein, Maurer, Zimmermann, Tischler, Schlosser, Elektriker … das ist alles falsch. - Mit einem Schmunzeln verriet er uns, dass er von Beruf Sänger ist.
Das konnten wir nicht wirklich glauben und so schlug Anne vor, er möchte uns doch etwas vorsingen. "Wir werden dann auch gern für die weitere Sanierung spenden.", meinte Anne dann noch. Denn wir hatten längst bemerkt, dass aus dem linken Flügel des Gebäudes, einem sehr grossen Raum mit bodentiefen Terrassentüren, Radiomusik mit besonders gutem Klang kam.
In diesen Gartensaal lud uns der nette Herr dann ein, währenddessen er sich rasch die Hände waschen ging. Dieser Saal ist 6 x 10 Meter gross und besitzt eine hohe gewölbte Decke und einen Kamin. Schöne alte Gemälde hängen an den Wänden und vor der Terrassentür stand ein Flügel. An den setzte sich unser Sänger und sagte fast entschuldigend: “Ich singe aber klassisch. Was möchten Sie denn hören?“ - Da nun keiner von uns wirklich Ahnung von klassischer Musik hat, schlugen wir ihm vor, er möge etwas singen, was er persönlich besonders gern mag.
Wir trauten unseren Ohren nicht, als er zu singen begann. Eine gewaltige und tolle Stimme, ein Gesang, dessen Schönheit uns in diesem historischen Raum überwältigte. Wir hatten nicht erwartet, dass klassische Musik so ergreifend schön sein kann. Nachdem wir unser Sprache wieder fanden, erkundigten wir uns nach seinem Namen, und ob er wohl noch Konzerte gäbe. So haben wir Herrn Jan Träbing–Westendorff kennengelernt und erfahren, dass er in diesem Gartensaal Konzerte veranstaltet. Schnell waren wir uns einig, dass wir unbedingt einen Winterstammtisch im Dezember für einen Konzertbesuch nutzen wollen. Nachdem wir uns noch die derzeitigen Sanierungsarbeiten, die historischen Kachelöfen und die Küche ansehen durften, verabschiedeten wir uns von Herrn Träbing-Westendorf mit dem Versprechen, uns bei einem seiner nächsten Konzerte wieder sehen werden.
An dieser Stelle ein ganz grosses Dankeschön an Herrn Träbing-Westendorff dafür, dass wir ihn mit unserem Besuch überfallen durften und er uns mit der Kostprobe seines musikalischen Könnens ein so unvergessliches Erlebnis während unserer Ausfahrt bereitet hat.

Jetzt brauchten wir erst einmal eine Kaffeepause. Unser Weg führte uns deshalb zum Rauchhaus nach Möllin, einer 200 Jahre alten historischen Hofanlage mit Café, Restaurant und Museum. Hier gab es noch ganz warmen Apfel- und Pflaumenkuchen und für die, die es herzhaft mögen, eine deftige Wurstplatte. Natürlich sahen wir uns den typischen Bauerngarten mit Hühnern, Kaninchen, Ziegen, einer Katze und Kanarienvögeln noch an, bevor wir weiterfuhren. Übrigens, Ruth hatten es die reifen Pflaumen besonders angetan.

Auf engen alten Landstrassen fuhren wir über Meetzen zum Gutshaus nach Holdorf. Hier erwartete uns ein sehr schönes saniertes Gebäude, das heute den Firmensitz des Zweckverbandes Radegast, einem Dienstleister zur Trinkwasserversorgung, beherbergt. Holdorf war einst Rittergut und wechselt im Laufe der Jahrhunderte seine adligen Besitzer wie den Freiherrn von Lützow, den Grafen von Schwicheldt und den Herrn von Steinberg.
Von Holdorf fuhren wir weiter über enge, kurvenreiche Landstrassen durch Benzin, Köchelsdorf und Groß Hundorf. Am Ende dieses Dorfes trafen wir auf die höchste Steigerungsform von Musche–Bu–Bu–Wegen. Es gab nur zwei schmale betonierte Fahrspuren, die alle paar Meter in der Mitte verbunden sind. Ausbuchtungen für den Gegenverkehr oder ein entsprechender Seitenstreifen ist nicht vorhanden. Aber die Strecke war nur ca. 1 Kilometer lang und der PKW im Gegenverkehr wartete geduldig an der Brücke am Ortseingang von Kirch–Grambow. Hier bogen wir links ab, nach Wedendorf und hinter Bäumen versteckt steht dort ein richtiges Schloss.

Was für ein traumhafter Anblick! Die weisse Fassade mit dem roten Dach leuchte uns in der Sonne entgegen. Davor befindet sich die Auffahrt mit einem Rasenrondell, in dessen Mitte auf zwei Säulen die beiden liegenden Hirsche thronen. Wir hatten die Erlaubnis von der heutigen Eigentümerin, Frau Katharina Haupt, im Rondell vor dem Schloss parken zu dürfen. Sofort entdeckten wir das Schild: Aussenstelle Standesamt Rehna. Ja, eine schönere Nutzung diese Schlosses als 4 Sterne Luxushotel für Hochzeiten kann es kaum geben. Da hier auch heute eine Hochzeit gefeiert wurde, konnten wir das Museumshotel mit Restaurant nicht besichtigen. Das Hotel ist ein Jahr im Voraus für die Wochenenden ausgebucht.
1679 erwarb die Familie von Bernstorff das Gut Wedendorf. Sie besass es 325 Jahre. Andreas Gottlieb von Bernstorff liess 1697 das Schloss als Barockbau erbauen. Er spielte in der europäischen Adelsgeschichte keine unerhebliche Rolle, denn er ebnete dem Kurfürsten Georg Ludwig von Hannover den Weg zur englischen Königswürde (Krönung als Georg I. zum König vom England 1715). 1806 liess Ernst Graf von Bernstorff das Schloss komplett zu einem klassizistischen Herrenhaus, wie wir es heute sehen, umbauen.

Nachdem Nannette noch die Erinnerungsfotos gemacht hatte, fuhren wir durch Rehna weiter nach Löwitz. Auch hier steht hinter Stallungen der ehemaligen LPG versteckt ein Gutshaus, besser gesagt, die Ruine eines Gutshauses. Das nennt man Kontrastprogramm! Von der einstigen Schönheit des Hauses zeugt nur noch das Eingangsportal mit seinen gotisch anmutenden Bögen. 1856 wurde das Herrenhaus vom Gutsbesitzer, einer Familie Koch, im Tudorstil erbaut. Laut einem historischen Foto aus dem Internet ähnelte es einem Schloss. Von 1945 bis zur Wende waren im Gutshaus ein Kindergarten, später ein Lehrlingswohnheim und dann die Werkküche der LPG, ein Versammlungsraum und ein Hausaufgabenzimmer für die Schüler untergebracht. Die Treuhand übernahm das Haus und gab es dem Verfall Preis. Heute ist ein Berliner Unternehmer Eigentümer, der sich mit der Ruine völlig übernommen hat und sie dringend verkaufen möchte.
Allein in Mecklenburg–Vorpommern gibt es etwa noch 1050 denkmalgeschützte Gutshäuser und Schlösser, die in sanierungswürdigem Zustand zum Verkauf stehen. Zudem haben aber auch mehr als 1000 Gebäude Eigentümer gefunden, die diese in neuem, bzw. altem Glanz erhalten.

Nun war es an der Zeit, den Rückweg nach Schleswig–Holstein anzutreten. Über ruhige, kurvige Strassen fuhren wir von Rehna über Carlow, Cronskamp, Rieps, Tharndorf und Utecht zurück zum Ratzeburger See. Wir genossen es dabei, über die gelben Stoppelfelder weit ins hügelige Land zu schauen.
Unsere Tour endete am griechischen Restaurant Taverna Dafni in Groß Sarau, und der freundliche Kellner erwartete uns schon. Schnell hatten alle ein passendes Abendessen aus der reichhaltigen Karte, (mit humanen Preisen), gewählt. Mit einem tollen Blick auf den Ratzeburger See und schmackhaften Speisen, (siehe Foto extra für Marcus), liessen wir den Tag ausklingen. Das Dafni spendierte uns noch Espresso und Kaffee, so dass wir uns alle gut gestärkt gegen 20:30 Uhr auf den Heimweg machten.

Fazit: Ich könnte direkt neidisch werden, aber nächstes Mal sind wir wieder mit dabei. Ganz grosse Klasse, was ihr beiden da aufgestellt habt.

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